Alpentriathlon Schliersee

Mein erster, zweiter Triathlon! „Zweiter“, da ich eigentlich schon für den Triathlon am Tegernsee vor zwei Wochen angemeldet war, „erster“ da dieser wegen Unwetter abgesagt wurde und ich nicht an den Start gehen konnte. Kurzerhand habe ich mich für eine Alternative angemeldet, die es allerdings in sich hat: insgesamt fast 1000 Höhenmetern! 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer laufen: Von „Ich kann das nicht“ über „Ich werde Letzte“, „Man, macht das Spaß“ und „ich sterbe gleich“ waren alle Gefühlslagen dabei und haben das Event zu einem Unvergesslichen gemacht… Aber mal von Anfang an:

Wie kam ich eigentlich auf die Idee einen Triathlon zu machen?

Diesmal war es tatsächlich nicht meine Idee, sondern die einer Freundin. „Hey Linda, ich hab ein Ticket für den Tegernsee Triathlon gewonnen und hab schon eins – willst du nicht mitmachen?“ Das war am 1. Juni, der Triathlon sollte am 7. Juli statt finden. Knapp fünf Wochen Vorbereitungszeit – Challenge accepted! Wenn ich eines bin, dann absolut begeisterungsfähig für alles im sportlichen Bereich. Laufen kann ich, ich saß schon öfter auf dem Bike und Schwimmen kann ja nicht so schwer sein – so habe ich mir das ungefähr zurecht gelegt. Nicht so viel Nachdenken, einfach machen. Da der Tegernsee Triathlon abgesagt wurde, ich ja aber trainiert hatte wurde kurzerhand die Alternative Schliersee angewählt. Zwei Wochen mehr Training, aber auch dreifach so viele Höhenmeter, ohje…

Wie habe ich trainiert?

In der kurzen Zeit war es fast unmöglich irgendeinen Trainingsplan zu verfolgen und „vernünftig“ zu trainieren. Das war mir natürlich absolut bewusst und so konzentrierte ich mich vorrangig auf meine Schwächen: Schwimmen (nach 200m war Anfangs Schluss) und Radfahren. Ein Bike hatte ich mir ja letztes Jahr schon gekauft, also höchste Zeit es auch entsprechend auszunutzen. Von einem Freund habe ich mir zusätzlich einen Hometrainer ausgeliehen, um auch bei schlechtem Wetter trainieren zu können. Alles in allem bin ich 550 Kilometer Rad gefahren (insgesamt 13 Fahren mit langen Einheiten sowie Intervallen), war knapp 14 Kilometer auf 9 Schwimmbadbesuche verteilt schwimmen (einmal habe ich mich im offenen Wasser versucht) und war etwa 70 Kilometer laufen (hauptsächlich Intervalleinheiten).

Was habe ich mitgenommen?

Ich habe super viele Stunden mit Recherche verbracht, was man alles für einen Triathlon braucht, wie man sich an dem Tag am Besten vorbereitet und worauf man sonst achten sollte.

Schwimmen: Neoprenanzug (bis 22 Grad Wassertemperatur darf man ihn tragen, da er Auftrieb gibt und der Wasserwiderstand geringer ist habe ich mich natürlich dafür entschieden), Trianzug (drunter), Sportsbra (extra schnelltrocknend), Schwimmbrille sowie einen Riegel für vor dem Start und ein Handtuch, das ich mit den Radsachen in der Wechselzone deponierte.

Radfahren: Helm, Brille (für Sonnen- und Regenschutz), Startband (ab hier muss die Startnummer sichtbar getragen werden), Radschuhe und Socken sowie ein paar Gels.

Laufen: Laufschuhe, ein zweites paar Socken (die ich nicht genutzt habe) und weitere Gels

21. Juli 2019 – Los gehts!

8.00 Uhr: Der Wetterbericht sah – mal wieder – bescheiden aus und auch an diesem Tag regnete es und es waren Gewitter vorhergesagt. Relativ unmotiviert rührte ich mir meine Haferflocken mit Hafermilch und Beeren an, machte mir einen Kaffee und wartete auf Thomas, der mich abholte. Fahrrad auf den Radständer und ab an den Schliersee – immer noch im strömenden Regen, aber mit einer gewissen Erwartung: Entweder es passierte heute, oder Triathlon ist einfach nichts für mich. So einfach.

Der Wetterbericht wurde von minute zu Minute besser, auch wenn es beständig regnete, für die Startzeit 12 Uhr war zumindest kein Gewitter vorausgesagt und es sollte auch noch aufreissen. Also, Startunterlagen abholen, alles in die Wechselbeutel (am Schliersee gibt es zwei Wechselzonen, man muss also getrennt packen) packen, Rad einchecken und auf besseres Wetter hoffen.

Zum ersten Mal quetschte ich mich in meinen Neoprenanzug (und habe ihm direkt einen Riss verpasst – „nur von innen ziehen“ – da habe ich mich wohl nicht so ganz dran gehalten) und machte meine ersten Züge im See. Wohlgemerkt das erste Mal, dass ich überhaupt einen Neo anhatte. Ein paar Tipps („Wasser über den Hals und Arme in den Neo lassen und an Land rausdrücken, dann sitzt er perfekt“) von Kollegen abgeholt un dann fiel schon der Startschuss für die ersten Männer. Frauen, Männer über 60, Staffeln und Nachmelder starteten im letzen Heat, 15 Minuten nach den ersten Männern.

Die letzten Motivationssprüche und Umarmungen abholen, High Fives verteilen und los ging es an die Startlinie. Je näher der Start kam desto nervöser wurde ich, auf einmal hieß es 3… 2… 1… und ab ins Wasser. Menschen vor mir, Menschen hinter mir, Menschen neben mir, ich versuchte irgendwie voranzukommen, aber ich hatte das Gefühl von jeder Seite weggedrückt, festgehalten und angestoßen zu werden. Mir blieb die Luft weg, der Neoprenanzug gab mir zusätzlich ein unfassbar einengendes Gefühl und ich konnte keine zwei Kraulzüge mehr hintereinander machen.

Eine Panikattacke. Ich hielt nach einem Boot oder SUP Ausschau, irgendwas an dem ich mich festhalten konnte. Währenddessen überholten und überschwammen mich die anderen Athleten. Ich sah nichts zum Festhalten, ich versuche mich während ein paar Schwimmzügen zu beruhigen. Dass ich schwimmen kann, dass ich sonst auch ohne Probleme zwei Kilometer und mehr schaffe, dass ich mich jetzt. sofort. in. den. Griff. bekomme. Ein tiefer Atemzug und wieder in die Kraulhaltung. Sie da, es ging. Ich hatte genau einen Moment erwischt in dem niemand links, recht, vorne oder direkt hinter mir war und ich konnte Zug um Zug kraulen, bekam meine Atmung unter Kontrolle und blickte nur noch ab und an hoch um die Boje im Blick zu behalten. Es lief, ich überholte wieder einige andere Schwimmer, musste kein einziges Mal inne halten, hatte meine ruhige Atmung gewonnen und kam gut voran. Nicht „vollgas“, das traute ich mir nicht zu, einfach kraftvoll und gleichmäßig, Zug um Zug.

Um die erste Boje nach rechts, geradeaus, die zweite Boje wieder rechts und ab Richtung Ziel. Nicht mal mehr die Männer, die um mich herum schwammen und mir regelmäßig den Ellbogen ins Gesicht donnerten, da sie den Kurs nicht halten konnten störten mich großartig. Ich wusste ich komme an un ich hatte meine Panikattacke überwunden. Auf den letzten Metern habe ich versucht nochmal Gas zu geben und die Arme, die ich ja im weiteren Verlauf nicht mehr wirklich brauchte an ihre Grenzen gebracht. Nach 31 Minuten und 11 Sekunden kam ich aus dem Wasser – Bestzeit für mich!

Ich hatte keine Probleme mit Orientierung oder Gleichgewicht (wovor ich gewarnt wurde) und lief aus dem Wasser über den Teppich Richtung Wechselzone. Neo runter, Socken und Schuhe an, Schwimmkappe und Brille in den Beutel, Radhelm und Brille auf den Kopf. Hab ich alles? Gels! Dank meines etwas wild konstruierten Trisuits landeten sie nicht in der Tasche am Rücken sondern direkt im Rücken – das merkte ich allerdings erst als ich mit meinem Rad in Richtung Ausgang unterwegs war. Vor allen Zuschauern also nochmal ein Stop hingelegt, die Gels aus dem Anzug raus und in die Taschen zurück gesteckt.

Im Laufschritt und immer noch bei Regen ging es zum Übergang – erst jetzt war Aufsetzen erlaubt, ich drückte meine Garmin weiter und beim Wahoo Radcomputer auf „Start“.

40 Kilometer voller Anstiegen warteten auf mich. Ich hielt mich an den Rat eines Bekannten, der auch starte: Nicht zu viel Energie rauspfeffern, lieber laufen lassen und dann am Schluss Gas geben. Genau so hielt ich es: Ich genoss die Fahrt, überholte einige Mitstreiter, wurde natürlich auch überholt und hatte ein super Gefühl. Bergab einfach laufen lassen, auf den Geraden Gas geben und hoch nicht über 200 Watt strampeln.

Ich genoss jede Minute, nahm alle 30 Minuten ein Gel (die leere Verpackung drückte ich immer einem Zuschauer in die Hand) und fühlte mich top – klar, ich hatte mich auch noch nicht angestrengt. Als die Schleife hoch zum Spitzingsattel kam wurde mir etwas übel. Noch schnell etwas Koffein und ich ging es an: 4 Kilometer ging es mit einer durchschnittlich 9%igen Steigung nach oben. Der Anstieg verlangt wirklich alles ab und ich habe trotzdem versucht ruhig und gleichmäßig zu treten – im kleinsten Gang, versteht sich. Ein Mix aus Taktvorsagen (als ehemalige Tänzerin hilft mir das bei allen Ausdauersportarten um ruhig zu atmen und kontinuierlich weiter zu machen) und Ohrwürmern, die mir vorab von Bekannten eingetrichtert wurden (danke nochmal hierfür. nicht.) geisterten durch meinen Kopf und ich kam auch hier heil und sicher nach 1:48:32 oben an.

Abfahrt zur Wechselzone, die Radschuhe gegen Laufschuhe wechseln, Helm ablegen und weiter gehts. Die ersten zwei Kilometer gingen abwärts und ich habe den größten Anfängerfehler ever gemacht: Ich hab Gas gegeben. Das hat sich ab Kilometer drei, ab dem es weitere drei Kilometer nur bergauf ging bitter bezahlt gemacht. Von einer 5er Pace bin ich in eine 6er Pace abgerutscht und jeder Schritt war mühsam, anstrengend und das Atmen fiel mir bei der Hitze (Mittlerweile war die Sonne draußen und es war schwül und heiß) schwer. Nach fünf Kilometern waren die insgesamt 176 Höhenmeter fast geschafft und das Gelände flacher. Nochmal Gas geben?

Ich habe mich dagegen entschieden und bin auch die restlichen Kilometer in einer entspannten Pace gelaufen. Wettkampf Typ: Gesund und mit einem Strahlen ins Gesicht im Ziel ankommen. Meine Bestzeit würde ich sowieso laufen und beim ersten Wettkampf ist es doch irgendwie nur wichtig heil ins Ziel zu kommen. Hah, ich kann mir sowas echt gut einreden und auch umsetzen. Machmal wünsche ich mir dann doch einen Coach auf der Schulter, der mir diese Gemütlichkeit austreibt und mich zu Höchstleistungen antreibt. Definitiv etwas, an dem ich arbeiten möchte!

Und da war ich: Im Ziel angekommen, mit einem riesigen Grinsen und hoch erhobener Hand. I am a Triathlet now! (wie cool hört sich das eigentlich an?). Nach 3:23:38 habe ich die insgesamt 51,5 Kilometer hinter mich gebracht. Gar nicht so schlecht für meinen ersten Triathlon mit derart vielen Höhenmetern, oder? Ich bin auf jeden Fall sehr stolz auf mich und bin mir sicher: Das wird nicht mein letzter Triathlon sein. Ob olympische Distanz oder ob ich mich sogar an eine Halbdistanz wage kann ich noch nicht sagen- aber ihr werdet es sicherlich als eine der ersten hier oder auf meinen Socialmediakanälen erfahren! 😉

Riesen Dank in dem Sinne auch nochmal an Lene, die mich mit dem Thema Triathlon angefixt hat natürlich Thomas, der auch immer mit am Start war und an alle die zum anfeuern gekommen sind !

Was ich gern vor dem Triathlon gewusst/gemacht hätte:

So ein Unterfangen ist TEUER. Die Anmeldung, die Ausrüstung (die man natürlich peu a peu verbessern will!), das Training im Schwimmbad…

Beim Kauf eine Trianzugs darauf achten, dass er nicht durchsichtig ist.

Schwimmen im offenen Gewässer mit mehreren Personen ist absolut empfehlenswert, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Koppeleinheiten machen Sinn. Sehr viel Sinn.

Beim Bike Check in direkt den Helm aufsetzen und zumachen, der wird hier nämlich auf Tauglichkeit geprüft.

Die Beine auszupedalen bei der Abfahrt zur Wechselzone 2 wäre auf jeden Fall sinnvoll gewesen vor dem Lauf.

Hab ich etwas vergessen? Wie sind eure Erfahrungen / Meinungen zum Triathlon?

7 Comments

  • Antworten August 20, 2019

    Andrea

    Mega stark! Stehe gerade vor meinem ersten Triathlon – das gibt nochmal ein bisschen Zusatzmotivation 🙂

    Beste Grüße und mach weiter so,
    Andrea

  • Antworten Juli 31, 2019

    Stefanie

    Weltklasse. Ich freue mich schon auf Deinen Bericht „´mein erster Ironman“. Du bist sportlich so vielseitig aufgestellt!

    • Antworten August 14, 2019

      Steffen Becher

      Echt krass, diese Leistung und vor allem wie ausführlich du darüber geschrieben hast (inkl. Bilder) zum nachvollziehen. Mach weiter so.

  • Antworten Juli 30, 2019

    @derExtremjogger

    Toller Bericht und schöne Bilder. Sehr gut geschrieben, als wäre man dabei.

  • Antworten Juli 25, 2019

    Glimrende

    Vielen Dank für diesen spannenden Bericht von Deinem ersten Triathlon. Ich bin echt beeindruckt von Deiner Leistung und finde es cool, dass Du so viele sportliche Dinge ausprobierst und auch durchziehst.

  • Antworten Juli 25, 2019

    Frauke

    Hey Linda, nochmal – großartig gemacht, mein Respekt! Du hast einen Riesenvorteil- wenn du kraulen kannst! Ich lerne es gerade sehr mühevoll… Und ja, es ist teuer… und, es ist super, wenn du das Training verletzungsfrei schaffst! Ich komme auch vom laufen. Hab mir vor ein paar Jahren ein Rennrad gekauft. Als Sportjournalistin und mit vielen Triathleten im Freundeskreis ist mir die meiste Theorie nichts Neues, aber die Umsetzung… leistenband entzündet gerade bei mir , bedeutet laufpause. Im Oktober steht ein Halbmarathon an. Der Kopf spielt verrückt. Und dann noch die 90KM Rad in der mitteldistanz-Staffel. Ich trainiere weiter, nur ohne laufen. Es ist anstrengend- bin müde und hungrig. Aber es macht Spaß! Nächstes Jahr klappt es hoffentlich mit dem kraulen. Dann will ich meinen ersten ganzen eigenen triathlon machen 🙂 ich mag deine triathlon Posts, sie geben Motivation 🙂 liebe Grüße Frauke

  • Antworten Juli 24, 2019

    Pipapati

    Sehr cool!
    Mein erster ist im September

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