When in: Oman*

So lange ich denken kann waren es Länder wie der Oman, die mich faszinierten: Berge und Meer, nur wenige Minuten von einander entfernt – für mich Lebensqualität, die schwierig mit Anderem wett zu machen ist.

Stundenlang durch unberührte Natur spazieren, Felshänge erklimmen und Aussichten auf dem Berggipfel genießen, die einem mal kurz den Atem rauben: Unbezahlbar. Den Morgen mit einigen Kraulzügen im Salzwasser starten, Wellenreiten, neben Delfinen auf einem SUP paddeln oder einfach nur stundenlang die Zehen in den Sand vergraben: Genauso unbezahlbar!

Der Oman hat all das: Imposante Berglandschaften, wunderschöne Strände, eine faszinierende Kultur und Politik als auch ein Volk, das mich mit seiner Herzlichkeit überrascht hat.

Ich bin ehrlicherweise ohne viele Erwartungen in den Oman gereist, denn nur wenige Tage vor unserer Ankunft war Sultan Qabus verstorben. Es war angekündigt, dass Volkstrauer verhängt wurde. Verständlich, wenn der Herrscher, der das Land innerhalb von 50 Jahren zu Wohlstand, Fortschritt und außenpolitischer Partizipation führt, verstirbt. Keine Musik, die Arbeit wurde (teilweise) niedergelegt, Alkohol war verboten.

Muscat präsentiere sich wohl aus diesen Gründen bei unserer Ankunft spätabends als eine Art mystische Geisterstadt. Keine Menschenseele auf der Straße, alle Fensterläden verschlossen und es war ungewohnt ruhig nach 16h Flug(hafen)trubel. Nicht einmal musste unser Fahrer in der 40 Minuten Autofahrt vom Flughafen zu unserem ersten Stopp anhalten: Dem Al Bustan Palace. Unser Hotel für die ersten zwei Nächte war eigentlich als Palast des Sultans und seiner Gäste gedacht. 190 Zimmer und 40 Suiten waren aber wohl selbst für einen Sultan zu viel- er nutzte „nur“ noch die obere Etage und die unteren acht Stockwerke werden für das Ritz-Carlton Hotel genutzt.

Das fünf Sterne Hotel liegt direkt am Meer, ausgestattet mit riesigem Pool, Kinderlandschaft (abseits der Liegen und dem Strand), Tennisplätzen und einer 28m (!!) hohen Eingangshalle, in der neun Kronleuchter über einem Brunnen hängen. Highlight neben dem wirklich großzügigem Frühstücksbuffet war das 3.000qm große Six Senses Spa auf dem Hotelgelände mit eigenem Privatstrand (nur für Frauen).

Da wir nur einen Tag in Muscat selbst Aufenthalt hatten entschieden wir uns Augenringe anstatt Schlaf zu priorisieren und machten uns in aller Frühe zur Sultan Quaboos Grand Mosque auf – sie ist eine der größten islamischen Gebetsstätten weltweit und darf auch von Nicht-Muslimen betreten werden. Über 300.000 Tonnen indischer Sandstein wurde hier verbaut, 4.300qm Gebetsteppich verlegt und Kronleuchter, die bis zu acht Tonnen wiegen verbaut.

Knapp 20.000 Gläubige finden hier Platz, für Touristen ist die Moschee unter der Woche von 8-11 Uhr kostenlos zugänglich. Kopftücher und/oder Umhänge können am Eingang ausgeliehen werden, ein einfacher Schal und lange Hosen/Rock reichen aber vollkommen aus, um keinen strafenden Blick von den Angestellten zu erhalten. 😉

Was eigentlich noch auf meiner Liste stand, aber zeitlich und wettertechnisch nicht geklappt hat: Wadis (nur teilweise ausgetrocknete, oasenartige Flussäufe) erkunden und darin schwimmen gehen, im Meer neben Delfinen SUPen und mitten im Nirgendwo ein Wüstencamp besuchen! Aber hey: Dafür habe ich definitiv einen Grund, um wieder zu kommen!

Direkt an Tag zwei ging es nämlich weg vom Meer und hoch in die Berge. Etwa zwei Stunden fuhren wir auf Serpentinenstraßen zum „Grand Canyon des Oman“ ins Al-Hajar Gebirge. Knapp 2.000 Meter über dem Meeresspiegel thront das Anantara Al Jabal Al Akhdar Resort. Dort, wo sich einst Prinzessin Diana mit einem Helikopter hat absetzen lassen um ein Buch zu lesen wurde der „Diana’s Point“ errichtet: Die Aussichtsterrasse des Hotels. Dieses fügt sich eigentlich völlig unaufgeregt in die Landschaft ein, auf den zweiten Blick bemerkt man aber schnell, wie raffiniert die unterschiedlichen Sonnenstände das ganz in Ocker gehaltenen Resorts unterschiedlich strahlen lassen.

In der ganzen Anlagen lassen sich Wasserläufe entdecken, die für den ein oder anderen Handyjunkie bereits zum Verhängnis geworden sind 😉 Wasser ist hier oben eines der wertvollsten Güter – erst vor kurzer Zeit hat die Regierung Pipelines bauen lassen, um die Gegend wieder mit genug Wasser zu versorgen und die Einheimischen in die bereits teilweise verwaisten umliegenden Dörfer zurück zu locken. Maher, der nicht nur in dem Hotel arbeitet, sondern auch in einem der verlassenen Dörfer aufgewachsen ist, erzählt uns unheimlich viel über die Gegend, die Umstände und wie stolz er darauf ist, sein Elternhaus gerade zu renovieren und hoffentlich bald zurück zu kehren. Die Begeisterung seiner Erzählungen, während wir einen 2-stündigen Spaziergang durch die Gegend machen ist ansteckend.

Auch hier ist es mein Plan unbedingt wieder zu kommen: An unserem Abreisetag wurde eine neue Kletterroute direkt am Hotel eröffnet, eine Mountainbiketour steht auch noch aus und ich war „nur“ in drei der fünf hoteleigenen Restaurants- ihr seht, mein Besuch war hier ebenfalls viel zu kurz und ihr solltet mindestens drei volle Tage pro Destination einplanen, um das Gebotene wirklich auskosten zu können.

Wer nicht ganz so abenteuerlustig ist wie ich, für den hat das Hotel natürlich auch so einiges zu bieten: Ein Infinitypool mit einem der wohl spektakulärsten Ausblicke (die 33 Villen haben aber auch alle einen eigenen Pool) – nicht nur bei Sonnenuntergang. Ein wirklich großzügiger Wellnessbereich und vor allem im Sommer angenehme Temperaturen, in die gerne ganze Scheichfamilien fliehen.

Neben den Villen gibt es 82 „normale“ Zimmer, alle mit den Blick auf den Canyon, die keine Wünsche offen ließen. Übrigens hat bei mir bereits jedes Hotel gewonnen, das eine Yogamatte im Zimmer anbietet. Auch ein To-Do, das ich mir für meinen nächsten Besuch aufgespart habe.

Hin und zurück ging es für uns mit Turkish Airlines und Zwischenstop in Istanbul. Hier fühlt sich selbst ein mehrstündiger Aufenthalt wie Urlaub an. Der neue Flughafen und vor allem die Loungen lassen wirklich keine Wünsche offen: Von Golfkursen, Kino, Carrerabahn und Kinderspielplatz über internationales sowie türkisches Buffet, von dem sich so einige 5-Sterne-Hotels hier bei uns was abschauen können, ist wirklich alle geboten.

An An- und Abreisetag habe ich sicherlich so viel gegessen, wie sonst nicht an drei Tagen. Aber zwei Mahlzeiten pro Flug, Snacks und eben die Angebote am Flughafen und in der Lounge lassen einem quasi keine andere Wahl 😉


Hier seht ihr übrigens einen Teil des veganen Angebots von Turkish Airlines auf dem Flug – unbedingt 48h vor Abflug bestellen, wie bei jeder Airline!

Einige Fragen (die nicht schon oben beantwortet wurden), die ihr gestellt habt möchte ich euch natürlich auch noch beantworten:

Was muss man als TouristIN im Oman beachten? Wie hat sich das für dich angefühlt?
Grundsätzlich ist der Oman meiner Meinung nach ein sehr fortschrittliches und auch offenes Land und ich habe mich (bis auf dem Soukh, was aber an Märkten und Menschenmassen grundsätzlich liegt) zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Klar ist es ungewohnt in z.B. der Moschee einen Schal über dem Haar zu tragen, aber für mich selbstverständlich. Uns wurde empfohlen uns außerhalb des Hotels Schulter- und Knie bedeckt zu kleiden woran ich mich auch gehalten habe. Wie es wäre alleine durch das Land zu reisen kann ich natürlich nicht einschätzen, ich war immer in einer gemischten Gruppe unterwegs.
Wer Zeit sparen will sollte schon vorab sein Visum (innerhalb weniger Stunden) beantragen, das knapp 11 Euro kostet. Man kann es aber auch (deutlich teurer) am Flughafen bekommen.

Kultur, Land, Sicherheit
Maher, der „Mountain-Guru“, der nicht nur die (kleine) Klettertour mit uns gemacht hat, sondern auch den „3 Village Walk“ hat mir quasi einen Crashkurs zum Oman gegeben: Frauen sind hier gleichberechtigt, viele studieren und arbeiten natürlich auch. Mit 23 bekommt jeder Omani ein Stück Land zugeteilt und geschenkt, sowohl Schulen, Universitäten als auch Gesundheitswesen sind kostenlos. Die Rente beträgt 80% des letzten Gehaltes. Als Ausländer hat man wenige Möglichkeiten Land zu erwerben und auch die Hotels sind Eigentum des Landes und werden nur für eine bestimmte Zeit an z.B. Hotelketten vergeben. Tourismus wird hier vermehrt gefördert und auch von den Einheimischen unterstützt, da die Ölquellen, durch die das Land reich geworden sind auch nicht mehr ewig sprudeln. 😉 Touristen sind also gerne gesehen! Der Oman bevorzugt allerdings Luxusreisende, Backpacker haben es hier relativ schwer, da es kaum günstige Hotels oder Hostels gibt.

Wo kann man so eine Tour buchen (Wandern & Klettern)
Es gibt sicherlich viele Anbieter, die man online finden kann, wir haben aber alles direkt über das Hotel gebucht, das das natürlich anbietet. Der Klettersteig startet übrigens direkt unter dem Diana Point!

Ist es in den Bergen kälter, als am Meer?
Auf jeden Fall! 15-20 Grad kälter, also unbedingt beim Koffer packen beachten!

Kosten?
Die Flüge fangen bei 350,- Euro an, der Al Bustan Palace bietet Zimmer ab ca. 200,-/Nacht, Zimmer im Anantara Al Jabal Al Akhdar fangen bei knapp 450,-/Nacht an und wer sich die Royal Mountain Villa gönnen will kann schon mal an die 7.000,-/Nacht zurück legen.

Welcher Reisezeitraum?
Hauptreisezeit ist November bis März, im Sommer wird es schon sehr heiß – da es in den Bergen aber deutlich kühler ist definitiv eine Option! Mir persönlich war es (im Januar) ein bisschen zu kalt, in Muscat war es frühlingshaft, oben in den Bergen schon sehr frisch – vor allem Nachts. Ich würde im März/April wieder kommen. Vor allem aber auch weil dort dann die Rosen Saison haben und für das landestypische Rosenwasser geerntet (sagt man das so?) werden.

*Pressereise / Einladung

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