How to: Roadcycling #3

Was ich gerne vorhergewusst hätte

#1 Du denkst, du siehst super heiß in deinem neuen Radkit aus – tust du! Allerdings nur für Leute, die sich auch in der Radsportszene aufhalten. Für alle anderen siehst du – egal, wie stylish dein Outfit sein mag – albern aus.

#2 In eine gute Radhose und entsprechenden Sattel (hier gibt es mehr Infos dazu) zu investieren kann dich davor bewahren tagelang nicht gehen zu können. Manche benutzen sogar Gesäßcremes.

#3 Unter der Radhose trägt man: Nichts.

#4 Du brauchst Riegel – viele Riegel. Und Proteinriegel sind natürlich NICHT dafür geeignet. Du musst während dem Fahren deine Kohlenhydratspeicher füllen. Bananen, Kuchen etc. funktionieren auch. Ich plane bei kurzen Ausfahrten bis 50km einen Riegel ein, ab 50km einen Riegel pro 20 Kilometer und habe immer mindestens eine meiner zwei Flaschen mit einem Elektrolytgemisch gefüllt. Getrunken wird regelmäßig wie beim Laufen BEVOR du Durst bekommst.

#5 Du wirst richtig braun – bis zu den Stellen, an denen deine Hose und das Trikot anfängt. Typische Radlerstreifen sehen im Bikini, Hotpants oder ärmellosem Kleid albern aus. Creme dich immer ein und nimm ggf. Sonnencreme mit bei längeren Touren um nachzucremen. Vor allem die Stellen an den Kanten. Sich mit den Kanten anfreunden ist allerdings einfacher.

#6 Klickpedale muss man testen. An einem Zaun, einer Hauswand oder ähnlichem. Man kann einstellen, wie fest die Schuhe an den Pedalen sind bzw. wie einfach man ausklicken kann. Starte immer mit der leichtesten Variante, um dich dran zu gewöhnen und klicke vorab schon aus, wenn du auf eine Ampel zufährst. Es gibt wenig, das peinlicher ist, als an einer Ampel einfach umzukippen, weil man nicht rechtzeitig ausgeklickt hat- ist allerdings schon wirklich jedem passiert 😉 

#7 Rennradfahren ist TEUER. Egal wie günstig du startest, irgendwann willst du immer mehr. Und es hört nicht auf, ein besseres, leichteres, neueres Rad, mehr Gadgets, Outfits und so weiter… 

#8 Du wirst beschimpft. Ziemlich oft beschimpft. Es gibt Autofahrer, die hassen Rennradfahrer grundsätzlich. Teilweise zurecht, teilweise ist es wirklich albern. Und gefährlich. Ein dickes Fell sollte man hier haben, nett kontern können und dazu beitragen, dass es weniger wird – einfach indem man sich an die StVo hält und vorausschauend sowie rücksichtsvoll fährt.

#9 Beim Kurvenfahren muss der Fuß mit dem Pedal auf der Kurveninnenseite immer oben sein. Denkt man drüber nach ist es absolut logisch und passiert spätestens, nachdem man einmal mit dem Pedal auf dem Boden schleift (und hoffentlich nicht stürzt) automatisch.

#10 Radläden drehen dir oft Schrott an. Hol dir unbedingt kompetente, unabhängige Hilfe beim Radkauf/Reparaturen. Das Motto „Der ist Profi / kennt sich ja eh aus“ in einem Fahrradgeschäft ist in vielen Fällen vielleicht zutreffend, aber sobald der Verkäufer merkt, dass du dich nicht allzu gut auskennst, werden dir teilweise Ladenhüter oder unpassendes bzw. überteuertes Material (Frauenräder sind oftmals mit den selben Komponenten teurer) angedreht. Klar, aus Fehlern lernt man, aber wenn es kein allzu teure Lehrstunde sein soll: Leg den Stolz beiseite und frag jemanden in deinem Bekanntenkreis, der dich hier unterstützt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und ein wirklich guter und kompetenter Radladen ist gold wert. 

#11 Regelmäßige Wartung und Vorbereitung ist obligatorisch. Tatsächlich etwas, das ich schmerzlich lernen musste. Eine elektrische Schaltung muss (regelmäßig) aufgeladen werden, Reifen vor jeder Ausfahrt aufgepumpt (gemäß den Barangaben auf dem Reifen) werden, eine kleine Reservepumpe ist wirklich nur für den Notfall unterwegs. Das Rad muss regelmäßig gereinigt und die Kette geschmiert werden. 

#12 Eine Luftpumpe mit Baranzeige (der richtige Wert steht auf dem Reifen) erspart einigen Ärger. Normale (kleine) Pumpen sind wirklich nur für den Notfall geeignet.

#13 Wer mehr schwitzt muss seltener pinkeln. Ein ziemlich wichtiger Punkt, wenn z.B. weder Restaurants noch Biergärten während Pandemien offen haben und auch auf Tankstellen keine Toiletten benutzt werden dürfen. Wer eine schwache Blase hat, der muss auf unangenehme Momente in freier Wildbahn vorbereitet sein- oder einfach schneller fahren 😉

#14 Die (Rennrad)brille gehört u.a. aus Sicherheitsgründen über die Riemen des Helmes.

#15 „Heute entspannt“, „eine gemütliche Runde“, „nur noch 50 Kilometer“ – das sind alles Lügen. Immer. Und das kann ich mittlerweile guten Gewissens sagen, denn genau diese Sätze benutze ich mittlerweile auch. Sorry not sorry.

#16 Rennradfahren macht süchtig.

#17 Der Helm kann Abdrücke auf dem Kopf hinterlassen- für einige Stunden. Dafür gibts extra Mützen, die man drunter ziehen kann (was den ein oder anderen sicherlich auch schon vor einer Wespe, die sich unter dem Helm verirren kann gerettet hat)

#18 Als Rennradfahrer grüßt man sich. Egal ob welches Alter, Geschlecht oder Gruppengröße. Handzeichen wenn man entgegenkommt, beim überholen darf es aber auch ein „Servus“ (oder wie man bei euch eben so grüßt 😉 ) sein.

#19 Langsam herantasten, auch zum Saisonstart. Der Körper muss sich an lange Belastungen gewöhnen und macht das auch ziemlich schnell – starte mit 20, 50, 70, 90, 120, 150, 180, 200 auf ca. 1,5 Monate verteilt. Wenn du dich schneller wohl fühlst kannst du natürlich überspringen, genauso okay ist es, im unteren Kilometerbereich zu bleiben – es soll dir Spaß machen und du musst niemandem etwas beweisen.

#20 Ich hätte schon viel früher anfangen sollen: Auch der meist genannte Punkt von euch. Hätten wir gewusst, WIE viel Spaß und Energie uns das Rennradfahren gibt, hätten wir schon vor Jahren gestartet. Also höchste Zeit für jeden, der noch nicht auf einem Sattel sitzt anzufangen!

2 Comments

  • Antworten Juli 1, 2020

    moni

    …Punkt 18 kann ich nicht bestätigen.
    Seit ich alleine fahre, werde ich von 10 Männern, die mir entgegenkommen von 11 ignoriert ;-))

    • Antworten Juli 3, 2020

      Lindarella

      Wirklich? Habe ich tatsächlich genau gegenteilig erlebt, wo fährst du denn wenn ich fragen darf?

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